Informationen zu "Rudolf Bockelmann Die Karriere des Wagner-Interpreten und die NS-Musikpolitik Aus privaten Briefen des Helden-Baritons"
Komponist/Autor: Ralf Bierod
Verlag: ibidem-Verlag Jessica Haunschild/Christian Schön GbR
Verlagsnummer: 3838214536
EAN: 9783838214535
ISBN: 978-3-8382-1453-5
Beschreibung
Der Bariton Rudolf Bockelmann (1892-1958) zählte neben Maria Müller, Frida
Leider, Friedrich Schorr, Marcel Wittrisch, Max Lorenz und Helge Rosvaenge zu
den international prominentesten Wagner-Interpreten der 20er- und 30er-Jahre
des 20. Jahrhunderts, gehörte wie diese zu den festen Vertragssängern der
Deutschen Staatsoper Unter den Linden in Berlin, den Stars der Bayreuther
Festspiele und gastierte mehrfach an der Londoner Covent Garden Opera sowie
der der Civic Opera in Chicago. Er galt als einer der talentiertesten
Opern-Sänger für die Rolle des Wotan im Ring des Nibelungen sowie des Hans
Sachs in den Meistersingern von Nürnberg, aber auch als Profiteur der
kulturpolitischen Repression während der NS-Zeit. 1934 warb Bockelmann in der
reichsweit zu empfangenden Rundfunkübertragung direkt aus Bayreuth für die
Zusammenlegung der Ämter des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten auf
Adolf Hitler. Die bislang einzige Biographie über Bockelmann erschien 1963 im
Verlag eines seiner früheren Schulkameraden und enthält teils nicht
nachprüfbare Behauptungen.
Historiker Ralf Bierod wertet in dem vorliegenden Werk systematisch bislang
unveröffentlichte private Briefe aus, die Rudolf Bockelmann über 30 Jahre
hinweg an den Direktor der Burgdorfer Konservenfabrik Walter Ohk geschrieben
hatte und in denen er seinen Karriereverlauf, aber auch seine andauernden
Existenzängste schildert. So erscheint vor dem Hintergrund der
NS-Musikpolitik das Bild eines innerlich zweifelnden Familienvaters und
Ehemannes, der die Sehnsucht nach künstlerischer Freiheit und
Selbstverwirklichung mit beruflicher Sicherheit und gesellschaftlicher
Anerkennung in Einklang zu bringen suchte. Aufgewachsen als Sohn eines
Lehrers, war er auf Wunsch des Vaters Gymnasiallehrer geworden, um zeitgleich
diesen Beruf abzustreifen und seinen Traum als Sänger zu verfolgen. Nach 1945
wurde ihm sein Ruhm während der NS-Zeit zum Verhängnis, die angestrebte
Stellung als Hochschullehrer in Westdeutschland blieb ihm versagt.
Schließlich bot ihm die DDR eine Professur in Dresden an, die er in seinen
beiden letzten Lebensjahren ausübte.